Antoine de Saint-Exupéry

Antoine de Saint-Exupéry ist einer der bekanntesten modernen französischen Schriftsteller. Bereits seine ersten Werke, Südkurier und Nachflug, machten ihn nicht nur in Frankreich berühmt. Sein Weltruhm wurde durch den Kleinen Prinzen endgültig gefestigt.

In seinem Gesamtwerk bringt Antoine de Saint-Exupéry seine Lebenserfahrung zum Ausdruck.

Die zeitliche und geografische Nähe zur Geschichte der Fliegerei machten aus ihm einen begeisterten Flieger und schafften für ihn den Erfahrungshorizont, den er uns in seinem Werk vermittelt. Saint-Exupéry verbleibt selten bei der reinen Beschreibung, wichtiger ist ihm der verborgene Sinn der Dinge.

Geboren wurde Antoine de Saint-Exupéry am 29. Juni 1900 in Lyon. Er war das dritte von fünf Kindern von Jean de Saint-Exupéry und seiner Frau Marie. Antoine verbrachte in seiner Familie eine glückliche Kindheit, nach der er sich Zeit seines Lebens zurücksehnte. Schon 1904 starb aber der Vater an einem Herzinfarkt, und Antoine suchte umso mehr die Nähe seiner Mutter. Im Juni 1917 bekam Antoine das Abitur in Villefranche. Das gesamte erste Halbjahr war allerdings von einer langen, schweren Krankheit und vom Tod seines geliebten Bruders François überschattet gewesen. Saint-Exupéry bestand im Juni 1919 die schriftliche Aufnahmeprüfung für die École Navale, doch er scheiterte in der mündlichen Prüfung. Schließlich schrieb er sich im Wintersemester 1919 an der Pariser École des Beaux-Arts ein, um Architektur zu studieren.

Mit einundzwanzig Jahren wurde Antoine zum Militärdienst eingezogen. Er bewarb sich für den Einsatz bei einer Luftwaffeneinheit. Zunächst wurde er zum Flugzeugmechaniker ausgebildet. Saint-Exupéry investierte das wenige Geld, das er verdiente, in Flugunterricht bei einem Privatlehrer. Schließlich wurde er zum 37. Fliegergeschwader in Marokko abkommandiert; einen Tag vor Weihnachten erhielt er in Rabat seinen Flugschein als Militärpilot – und bewarb sich anschließend mit Erfolg für die Ausbildung zum Luftwaffenoffizier der Reserve. Louise de Vilmorin, Tochter einer Kaufmannsfamilie und inzwischen seine Verlobte, überzeugte ihn, das Fliegen sein zu lassen und eine Bürotätigkeit anzunehmen. Die Verlobung hielt aber nicht lange, auch wenn Antoine sich auch lange Zeit danach mit Louise verbunden fühlte. Er war  wieder alleine und konnte wieder fliegen. Zur gleichen Zeit fing er an zu schreiben. Sein erster Text ist Manon, Tänzerin,  eine Novelle, die erst vor einigen Jahren veröffentlicht wurden. Er war inzwischen (1926) Postflieger auf der Strecke Toulouse-Casablanca-Dakar. Südkurier gibt diese Erfahrung wieder. Nachtflug entstand 1929, nachdem er als Direktor der Aeroposta Argentina tätig geworden war. Die Andenflüge mit ihren Schwierigkeiten und die Helden dieser Pionierzeit der Postflüge werden hier dargestellt. Inzwischen macht Antoine die Bekanntschaft von Consuelo, die er später (1931) nach seiner Rückkehr nach Paris heiratet. Consuelo beeinflusste das Leben und das literarische Wirken Antoines nachhaltig. Zwar waren beide unabhängige Persönlichkeiten und lebten nicht immer in derselben Wohnung, aber wenn sie getrennt waren, suchten sie sich wieder.

Die Rose, die der kleine Prinz verlässt und zu der er zurückkehrt, symbolisiert höchstwahrscheinlich Consuelo selbst.

Fliegen war eine junge Kunst, und Abstürze zählten zur Normalität. Einige Abstürze allerdings prägten das Leben Saint Exupérys besonders. Der Absturz in der Wüste Sahara im Jahr 1939 prägte sogar seinen literarischen Ruhm. Denn die in der Wüste gemachten Erfahrungen, die Antoine in Wind, Sand und Sterne wiedergibt, wie das Erleben der Wüste selbst, der Durst, der Hunger, der Wüstenfuchs, das Wasser sind Themen, die später den Kleinen Prinzen (1943) mit Poesie füllen werden. 1938 ist Saint-Exupéry als politischer Flüchtling in den USA. 1939 wird er als Fernaufklärer in der französischen Armee engagiert und wahrscheinlich arbeitet er im Dienst des amerikanischen Geheimdiensts. Er ist zunächst in Algier tätig, danach in Sardinien und schließlich in Korsika stationiert. Flug nach Arras ist ein Zeugen vor dieser Zeit.

Den letzten Aufklärungsflug unternahm Saint-Exupéry am 31. Juli 1944 in Richtung südfranzösische Küste und Vercors. Er kam nicht zurück. Man vermutet, dass er abgeschossen worden ist.

Die Stadt in der Wüste, das Werk, das erst 1948 in Frankreich erschien, hatte er in den letzten Jahren seines Lebens geschrieben.

 

Die Lebensräume und das Werk Saint-Exupérys

Um das Werk Saint-Exupérys besser einzuordnen, sollte folgende historische Konstellation beachtet werden: die Geschichte der Fliegerei und die Jugend Saint-Exupérys. Geboren ist Saint-Exupéry im Jahr 1900. Im Jahr 1903 gelang den Brüdern Wright der erste Flug: Mit einer 16 PS starken Propellermaschine schafften sie es, weniger als eine Minute in der Luft zu bleiben – eher ein Sprung als ein Flug, aber der Beginn einer großen Erfolgsgeschichte. Die Brüder Wright waren anschließend nach Frankreich gekommen und hatten in Le Mans eine Werkstatt eröffnet. Im Oktober 1909 – damals war er neun Jahre alt – zog Antoine de Saint-Exupéry zu seiner Tante nach Le Mans, um dort die Schule zu besuchen. Diese zeitliche und örtliche Nachbarschaft beeinflusste das Leben und das Werk Saint-Exupérys wesentlich. So ist seine Begeisterung für die Fliegerei verständlich, auch sein Versuch, so bald wie möglich in ein Flugzeug zu steigen. Da die Fliegerei noch in den Anfängen steckte, waren Abstürze nicht die Seltenheit. So sind auch die vielen Abstürze Saint-Exuperys zu erklären.

Und das alles hat naturgemäß den Stoff seiner Werke ausgemacht, von Südkurier bis zum Kleinen Prinzen. Seine Flüge brachten ihn in Kontakt zu Elementen, die in seinen Werken eine große Rolle spielen: der Himmel, die Wolken, die Berge, die Wüste, der Durst, der Brunnen, die Oase – Themen, die Antoine besonders in Die Stadt in der Wüste und Wind, Sand und Sterne, in einer faszinierenden Weise verarbeitet. Wind, Sand uns Sterne wird als der thematische Vorläufer des Kleinen Prinzen.